Das wäre Apple unter Steve Jobs niemals passiert...


neumann.digital - digitaler Wochenrückblick #46 (im Browser ansehen)

Liebe/r Reader,

👾 Grüße aus der digitalen Welt!
Hier ist der Digitale Wochenrückblick.

Diese Woche beschäftigen wir uns mit einem möglichen Strategieproblem bei Apple: Ist der Technikriese vom Weg abgekommen? Außerdem blicken wir nach Großbritannien, wo ein Minister sich von ChatGPT beraten lässt. Dazu gibt es News zu AirPods, plattformübergreifende Verschlüsselung in Chats und eine düstere Prognose für Programmierer vom Anthropic-CEO.

🍎 Das wäre unter Steve Jobs nicht passiert...

So langsam ist es an der Zeit, den Blick auf die diesjährige Entwicklerkonferenz WWDC zu richten, bei der Apple jedes Jahr die Software-Neuheiten der kommenden Saison präsentiert und Zuschauern einen Vorgeschmack auf die kommende iPhone-Generation gibt.

Steve Jobs präsentierte seinerzeit die größte Innovation als "One more Thing" am Ende der Show und dieser dramaturgische Kniff wurde nun schon einige Male von Tim Cook wiederholt, um das Publikum am Ende mit dem (vermeintlich) stärksten neuen Produkt zu überraschen - 2023 war es die Apple Vision Pro. Was jedoch wird dieses Jahr das "One more Thing" von Apple?

Viele vermuten, dass dieses Jahr das iPhone Air dieses "One More Thing" sein soll, ein besonders flaches und leichtes neues iPhone-Modell. Aber ist das die Art von Innovation, die man Apple erwartet?

Eher nicht.

Die eigentliche Innovation sollte wohl die nächste Stufe der Apple Intelligence-Funktionen inklusive der komplett überarbeiteten Siri werden, doch hier gibt es offenbar massive Probleme, die nun zu heftigen Verschiebungen führten. Manche Beobachter munkeln sogar, dass das gesamte Apple Intelligence-Projekt noch einmal neu aufgesetzt werden muss.

John Gruber, einer der bekanntesten und einflussreichsten Apple-Analysten und Tech-Blogger in der digitalen Welt, machte seinem Unmut über die jüngsten Fehlentscheidungen von Apple in einem viel beachteten Artikel Luft.

Gruber kritisiert besonders, dass Apple:

  • Funktionen beworben hat, die nicht einmal in einem kontrollierten Umfeld demonstriert werden konnten
  • Diese Funktionen dennoch in Fernsehwerbung für das iPhone 16 offensiv beworben hat
  • Den betreffenden Werbespot später ohne Kommentar von YouTube entfernt hat

In der Tat: Unter Steve Jobs konnte man sich immer darauf verlassen, dass das, was Apple ankündigte, auch funktionierte. Jobs präsentierte neue Produkte in Live-Demos vor Publikum, ging das Risiko technischer Pannen ein und bewies damit sein Vertrauen in die eigenen Produkte. Das war mal ein Markenzeichen von Apple - das Unternehmen versprach nicht nur, es lieferte auch.

Mit der Corona-Pandemie veränderte sich jedoch alles. Apple musste, wie alle Mitbewerber auch, auf voraufgezeichnete Produktvorstellungen umsteigen. Doch anders als andere kehrte Apple nach der Pandemie nie zu den alten Live-Events zurück.

Bei den Veranstaltungen in Cupertino bekommen Journalisten und geladene Gäste letztlich dieselben Videos zu sehen, die wir alle online mitverfolgen (deshalb frage ich mich auch immer, warum ein WWDC-Besuch mit all seinen Reisestrapazen überhaupt so erstrebenswert sein soll). Der einzige wirklich live präsentierte Teil ist eine kurze Einleitung durch Apple CEO-Tim Cook.

Die perfekt inszenierten Videos bieten dem Unternehmen einen (gefährlichen) Vorteil: Apple kann Produkte präsentieren, die in der gezeigten Form noch gar nicht funktionsfähig sind.

Die WWDC 2024 war ein Paradebeispiel dafür: Apple zeigte eine scheinbar fertige Version der neuen Siri mit beeindruckenden Fähigkeiten, die jedoch bis heute, über 9 Monate später, noch nicht so funktioniert wie damals vorgestellt.

Unter Steve Jobs wäre das undenkbar gewesen. Er hätte darauf bestanden, dass eine Funktion erst dann angekündigt wird, wenn sie kurz vor der Marktreife steht.

Ist Apple vom Weg abgekommen oder macht das Unternehmen die Siri-Fehler mit hochwertiger Hardware wieder wett? Sag mir deine Meinung dazu in der Umfrage der Woche.


🤖 Der britische Wissenschaftsminister lässt sich von ChatGPT beraten

Peter Kyle, der britische Minister für Wissenschaft, Innovation und Technologie, nutzt regelmäßig ChatGPT für seine Arbeit.

Das Online-Magazin New Scientist hat das britische "Freedom of Information"-Gesetz genutzt, um gegen einigen Widerstand die konkreten ChatGPT-Aufzeichnungen des Ministers zu erhalten.

Was für Fragen stellt ein Wissenschaftsminister einem KI-Chatbot?

Kyle wollte unter anderem wissen, warum so viele kleine und mittelständische Unternehmen noch keine KI-Tools in ihre Abläufe integriert haben. ChatGPT nannte zehn Gründe, darunter "mangelnde Bekanntheit und Verständnis" sowie "fehlende Unterstützung durch die Regierung" – der Minister bekam also auch gleich Rückmeldung zu seiner eigenen Arbeit.

Kyle nutzte den Chatbot auch für Öffentlichkeitsarbeit: er fragte ChatGPT nach geeigneten Podcasts, in denen er auftreten könnte. Außerdem ließ er sich Begriffe wie Antimaterie, Quanten und digitale Inklusion vom Chatbot erklären.

Diese Einblicke zeigen, wie selbst hochrangige Politiker KI-Tools als Berater und Informationsquelle nutzen – einerseits schön, dass auf neueste technischen Möglichkeiten zur Recherche und Fortbildung zurückgegriffen wird. Andererseits fragt man sich schon, ob die Firmen hinter den Chat-KIs dadurch nicht immer mehr Einfluss auf politische Entscheidungsprozesse bekommen.


📢 News der Woche in Kürze

🎧 Apple plant Live-Übersetzung für AirPods

Apple plant mit iOS 19 ein Funktions-Update für AirPods: eine Live-Übersetzungsfunktion. Diese wird über die iPhone-Mikrofone Gespräche erfassen und die Übersetzung direkt über deine AirPods ausgeben, während deine Antwort über die iPhone-Lautsprecher in die andere Sprache übersetzt wird.

Werden wir endlich wie Captain Kirk bei Star Trek immer einen Universalübersetzer bei uns haben? Dazu müsste die Übersetzen-App, auf der die Funktion basiert, aber noch um einiges schneller werden. (via iphone-ticker.de)


🔒 Sichere Nachrichten zwischen iPhone und Android

Gute Nachricht für alle, die mit Freunden und Familie auch auf Android-Smartphones chatten: Der Mobilfunkverband GSMA hat neue Regeln für den Nachrichtendienst RCS eingeführt, die für mehr Sicherheit sorgen.

Durch die neue "Ende-zu-Ende-Verschlüsselung" können nur die jeweiligen Gesprächspartner ihre Konversationen lesen – niemand sonst hat Zugriff, auch nicht Apple oder Google.

Apple hat bereits angekündigt, diese Sicherheitsfunktion in zukünftige Updates für iPhone, iPad, Mac und Apple Watch einzubauen. (via Macerkopf)


👨‍💻 Anthropic-CEO mit düsterer Prognose für Programmierer

Dario Amodei, CEO des KI-Unternehmens Anthropic (Sprachmodell Claude), sagt voraus, dass KI Innerhalb der nächsten 12 Monate nahezu alle Programmierarbeiten (ca. 90%) übernehmen könne.

Auch wenn er einräumt, dass Menschen weiterhin benötigt werden, um Anforderungen zu definieren und die KI-Ergebnisse zu überprüfen: Es scheint klar, dass der Job eines Programmierers bei weitem nicht so zukunftssicher ist, wie er das vor 5 Jahren noch zu sein schien. (via t3n.de)


👾 Was passiert bei mir?

Diese Woche verbrachte ich viel Zeit mit einem der längsten und umfassendsten Videos, die ich je auf meinem Kanal veröffentlicht habe.

Es geht dabei um die App auf dem iPhone, die sich nach und nach zu einer echten Allzweckwaffe gemausert hat. Das Video erscheint in der kommenden Woche - in der Zwischenzeit verweise ich noch einmal auf mein iPhone-Sicherheitsquiz, an dem bereits über 200 Leser teilgenommen haben:

Hätten Hacker und Datendiebe bei dir leichtes Spiel oder würden sie sich an deinem iPhone die Zähne ausbeißen? Du kannst dein Wissen zu den iPhone-Sicherheitsfunktionen jetzt im Quiz auf die Probe stellen:

Beantworte einfach 12 Fragen und du bekommst danach nicht nur eine Quiz-Auswertung mit deinem Risiko-Profil, sondern auch einen Mini-Ratgeber, der dir kurz und verständlich Tipps zu deiner Online-Sicherheit an die Hand gibt.

Wichtiger Hinweis: Das Quiz ist in erster Linie für Zuschauer konzipiert, die den Newsletter noch nicht abonniert haben, daher wirst du am Ende gebeten, dich für Updates von mir anzumelden. Gib bei der Abfrage einfach nochmal denselben Namen und dieselbe E-Mail-Adresse an wie du sie für deine Newsletteranmeldung verwendet hast.

Du bekommst dann zwar noch einmal eine Bestätigungsmail (das lässt sich nicht vermeiden), aber danach keine doppelten Newsletter-Zusendungen.


Community News

🎤 Umfrage der vergangenen Woche

Welches der in dieser Woche neu vorgestellten Apple-Produkte ist für dich das spannendste?

Kommentare:

"Das iPad 11, ich bin sehr auf den schnelleren Prozessor gespannt und freue mich über endlich ausreichend Speicherplatz. Natürlich würde ich gerne eine Regalhöhe drüber einsteigen, aber dazu fehlen mir die Mittel."
"Ich hätte gern ein Apple Gerät das einfach zu bedienen ist . Gibt es sowas überhaupt noch?"

In der neuen Umfrage möchte ich von dir wissen, ob du denkst, dass Apple von seinem erfolgreichen Weg abgekommen ist, der einst unter Steve Jobs eingeschlagen wurde.


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