Kann ein Computer dich zum Weinen bringen? JA, aber...


neumann.digital - digitaler Wochenrückblick #81 (im Browser ansehen)

Liebe/r Reader,

👾 Grüße aus der digitalen Welt!
Hier ist der Digitale Wochenrückblick!

Seit dieser Woche haben wir die offizielle Bestätigung: Apple benötigt Hilfe von Google, um Siri endlich schlauer zu machen. Was bedeutet das für unsere Daten?

Außerdem: Kann ein Computer dich zum Weinen bringen? Warum ich diese Woche an eine alte Werbeanzeige meines ehemaligen Arbeitgebers EA denken musste. Und ich zeige dir eine smarte Funktion in Gmail, mit der du den Überblick über abonnierte Newsletter behältst und sie mit 2 Klicks kündigst.


🍎 Offiziell: Apple kauft KI-Hilfe von Google ein

Lang wurde darüber spekuliert, seit dieser Woche ist es offiziell: Apple hat eine mehrjährige Partnerschaft mit Google geschlossen, um seine KI-Assistentin Siri endlich auf den Stand der Jetztzeit zu bringen.

Bei der Apple-Keynote im Juni 2024 versprach Apple uns noch eine völlig neue Siri, die endlich Bildschirmkontext verstehen und Informationen aus mehren Apps zu einer Antwort kombinieren könnte.

Die neuen Siri-Funktionen sind jedoch bis heute nicht erschienen. Das lag offenbar unter anderem an der Inkompatibilität zwischen alten und neuen Systemen. Es soll aber auch lange Zeit Uneinigkeit darüber geherrscht haben, ob man die Hilfe anderer KI-Unternehmen benötigt oder es doch ganz alleine schaffen kann. Immerhin diese Frage ist nun geklärt.

Apple zahlt Google dem Vernehmen nach ca. eine Milliarde US-Dollar pro Jahr, um Zugang zu einem maßgeschneiderten Gemini-Modell zu erhalten, das auf Apples Servern laufen wird. Gemini ist eines der leistungsfähigsten KI-Modelle auf dem Markt und deutlich „größer” (im Sinne der verarbeiteten Parameter) als alles, was Apple bisher selbst entwickelt hat.

Was ist mit dem Datenschutz?

Jahrelang positionierte sich Apple als Unternehmen, das die Daten seiner Nutzer schützt. Nun arbeitet es mit Google zusammen, einem Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf dem Sammeln von Daten beruht. Versucht Google durch den Deal, an Daten von Apple-Nutzern zu gelangen?

Bei Bekanntgabe der Partnerschaft bemühten sich beide Unternehmen um Entwarnung: Die von Gemini angetriebenen KI-Funktionen werden wie bisher entweder lokal auf dem Gerät oder, bei anspruchsvolleren Aufgaben, über Apples Private Cloud bereitgestellt.

Google wird demnach überhaupt keine Nutzerdaten von Apple erhalten. Das unterscheidet sich stark von der eher krückenhaften und umständlichen Siri-Erweiterung mit ChatGPT bei für sie zu komplexen (also fast allen) Anfragen. Hierbei werden die KI-Antworten von OpenAI-Servern generiert.

Diese ChatGPT-Anbindung soll übrigens weiterhin bestehen bleiben, wobei ich mich frage, wer sie wohl noch nutzen wird, wenn Siri selbst bereits auf Gemini-Niveau antwortet.

Langfristig arbeitet Apple Berichten zufolge an einem eigenen großen KI-Modell, das im nächsten Jahr fertig sein könnte. Das Ziel dürfte sein, irgendwann wieder von Google unabhängig zu werden.


Wann kommt diese neue Google-Siri?

Apple spricht bisher noch sehr unspezifisch von einer Veröffentlichung in diesem Jahr, erwartet wird sie jedoch bereits für März oder April, zusammen mit iOS 26.4. Sollte dies nicht eintreffen, wäre das die nächste Enttäuschung.


Meine Meinung

Es ist bemerkenswert, dass das Unternehmen, welches 2011 mit Siri den Sprachassistenten quasi erfunden hat, nun auf die Hilfe eines großen Mitbewerbers angewiesen ist, um noch konkurrenzfähig zu bleiben.

Gleichzeitig beweist Apple damit Pragmatismus: Lieber einen guten Assistenten mit fremder Hilfe als gar keinen. Ein weiteres Aufschieben des Themas wäre 1,5 Jahre nach der ursprünglichen Ankündigung von Apple Intelligence niemandem mehr zu vermitteln.


📹 Meine Veröffentlichung dieser Woche

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Wie du scheinbar verloren gegangene Safari-Tabs in wenigen Sekunden wiederfindest, Audiodateien mit eigenen Klingeltönen erstellst, sowie acht weitere iPhone-Tipps, die dir wirklich im Alltag weiterhelfen.


🤖 Kann ein Computer dich zum Weinen bringen?

Das war die Titelzeile einer viel beachteten Werbeanzeige meines alten Arbeitgebers Electronic Arts (EA). Damals, in den 80ern, als sich die frisch gegründete Firma noch als eine Art Künstlerkollektiv begriff - lange ist's her.

Für die Gründungsmitglieder war es schon damals keine Frage, dass man mit Computerspiel-Pixeln Emotionen hervorrufen kann - auch wenn das aus heutiger Sicht verwundert, wenn man sich die krude Grafik ansieht:

In den 80ern hätten die meisten Menschen wohl vehement bestritten, dass sie von computererzeugten Inhalten zu Tränen gerührt werden könnten.

Heute jedoch können wir diese Frage als geklärt betrachten. Die Antwort ist eindeutig ja, spätestens seitdem generative KI uns erlaubt, tatsächlich real wirkende Umgebungen zu erschaffen.

Warum hole ich so weit aus? Dazu komme ich gleich. Schau dir aber zuerst ein paar Sekunden dieses YouTube-Video an, bevor du weiterliest.

Hast du dir das Video kurz angeschaut? Dann lies jetzt weiter:

Der YouTube-Algorithmus schlug mir dieses Video am vergangenen Freitag vor und weckte erfolgreich meine Neugier - auch weil es inhaltlich überhaupt nicht zu den anderen Vorschlägen passte.

Beim ersten Anschauen übersah ich einen kurz eingeblendeten Hinweis und folgte der ergreifenden Geschichte des älteren Herrn, der dort zu mir sprach.

Was meinem geschulten YouTube-Blick sofort auffiel: Dieses Video ist ein riesiger Hit! Fast 4 Mio. Aufrufe in nur einem Monat, damit können selbst größten Technik-YouTuber kaum mithalten. Dazu über 11.000 Kommentare...dieses Video hat ganz klar einen Nerv getroffen.

Dabei könnte die Botschaft nicht simpler sein. Kurz zusammengefasst lautet sie: „Warte nicht auf die Zukunft, um dein Leben zu leben. Lebe jetzt, statt auf einen fernen Moment in der Zukunft hinzuarbeiten, an dem du glücklich bist. Denn dieser Moment kommt nie.“

Zweifellos wahr, aber nicht gerade bahnbrechend neu.

Warum also funktioniert dieses Video so gut? Weil die Geschichte hier scheinbar von einem Menschen erzählt wird, der der lebende Beweis für diese Botschaft ist. Und genau das macht sie ergreifend, man fühlt sich emotional berührt.

Teenager kommentieren darunter, wie glücklich sie seien, dieses Videos nun in jungen Jahren gesehen zu haben und dass sie fortan nach dieser Maxime leben wollten. Auch ich konnte mich der eindringlichen Schilderung nicht entziehen und war kurz davor, das Video meiner Frau zu zeigen.

Doch diesen Menschen, der da zu uns spricht, den gibt es nicht.

Er wurde von einer KI erzeugt. Dies wird auch auf der Info-Seite des Kanals bestätigt:

Die Menschen hinter dem YouTube-Kanal bleiben anonym. Ich vermute, dass auch die erzählten Lebensgeschichten mithilfe von KI erstellt oder zumindest erheblich optimiert wurden. Mit nur zehn Videos hat der Kanal, der erst seit Dezember 2025 besteht, bereits über 100.000 Abonnenten gewonnen. Es ist eindeutig: Hier sind Profis am Werk.

Als mir klar wurde, dass es den älteren Mann aus dem Video gar nicht gibt, fühlte ich mich irgendwie...betrogen. Ging es dir auch so?

Erfahrungen aus dem wahren Leben möchte man nicht von einem KI-generierten Avatar erzählt bekommen, der all das nie erlebt haben kann. Und das wissen die Macher natürlich, daher ist ihr Avatar so real wie es die heute verfügbare Technik zulässt.

Wenn neue KI-Modelle erscheinen, bekommt man dazu oft irgendwelche „Benchmark-Werte“ um die Ohren gehauen. Die auch mir absolut gar nichts sagen. Aber das hier, die täuschend echte Imitation realer Personen mit ihren Lebenserfahrungen und Gefühlen, das verstehe ich. Und wie gefährlich das ist.

„Die KI“ (bzw. diejenigen, die sie bedienen) muss nur die richtigen psychologischen Knöpfe bei uns drücken, dann kann sie spielend leicht Gefühle in uns auslösen - und uns zum Weinen bringen. Zumindest solange wir nicht bemerken, dass Computerchips hinter der Scharade stecken.


💡 Tipp der Woche

📩 Gmail: Schneller Überblick über Newsletter-Abos

Im Lauf der Zeit sammeln viele von uns eine Menge Newsletter-Abos - und irgendwann verliert man den Überblick. Gmail hat seit einigen Monaten eine neue Ansicht, mit der du auf einen Blick alle deine Newsletter-Abos und Mailinglisten überblickst und diese bei Bedarf direkt kündigen kannst.

Klicke dazu in der linken Spalte einmal auf "Mehr" und dann auf "Abos verwalten"

Hier nur ein kleiner Auszug der stattlichen Liste abonnierter Newsletter in meinem Test-Konto:

Rechts befindet sich ein Button "Abbestellen", mit dem du dich ohne langes Hick-Hack vom dem jeweiligen Newsletter abmelden kannst (ich hoffe, du machst das nun nicht mit diesem Newsletter 😉).


📰 News der Woche

📈 Apple vermeldet Rekordjahr für seine Dienste

Bei den letzten Storys über Apple könnte man meinen, der Konzern rast von einer Negativschlagzeile zur nächsten. Dabei läuft beileibe nicht alles schlecht:

Apple hat 2025 als Rekordjahr für seine Services-Sparte gefeiert. Der App Store erreichte durchschnittlich 850 Millionen Nutzende pro Woche, Apple TV steigerte die Nutzung um 36 Prozent, und Apple Music stellte neue Rekorde bei Hörenden und Abonnenten auf.

Der Services-Umsatz überschritt erstmals die Marke von 100 Milliarden US-Dollar im Geschäftsjahr. Die Services-Sparte umfasst alle digitalen Dienste wie App Store, Apple Music, Apple TV, iCloud und Apple Pay - also alles, was nicht direkt mit dem Verkauf von Hardware zu tun hat. (via MacLife)


🎬 Apple Creator Studio: Neues Abo-Paket für Kreativsoftware

Apple hat ein neues Abo-Paket für Kreative im Angebot: Das Apple Creator Studio enthält Final Cut Pro (Videoschnitt), Logic Pro (Musikproduktion), Pixelmator Pro (Bildbearbeitung) und weitere Tools für 12,99 Euro pro Monat oder 129 Euro pro Jahr.

Wer die Programme lieber im Einmalkauf erwerben möchte, kann das weiterhin tun - die Einzelpreise bleiben unverändert. Für Schüler, Studierende und Lehrkräfte gibt es das Paket schon ab 2,99 Euro monatlich.

Positiv: Per Familienfreigabe kann das Abo mit bis zu sechs Personen geteilt werden, dadurch wird es pro Person dann wirklich günstig. (via heise online)

Ob Nutzer nun allerdings gerade auf ein weiteres Software-Abo gewartet haben (das ist ja z.B. bei Adobe ein großer Stein des Anstoßes) oder ob alle Familienmitglieder ein Videoschnitt- oder Profi-Musikprogramm benötigen, steht auf einem anderen Blatt. Ich jedenfalls würde Einmalzahlungen für die Software stets bevorzugen.


Community News

🎤 Umfrage der letzten Ausgabe

Welchen iPad Multitasking-Modus bevorzugst du?

Die neue Umfrage der Woche lautet: Apple kauft ein Google Gemini-Modell, um Siri endlich "smart" zu machen. Gute Entscheidung?


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